Ein 56-jähriger Mann stürzt beim Training mit seinem Rennrad. Zwei Mittelhandknochen sind gebrochen, mehrere Wunden müssen genäht werden.
So weit nichts Ungewöhnliches.
Doch knapp zwei Wochen später sind seine Wunden sehr gut verheilt und die Hand bereits wieder beweglich. Seine behandelnden Ärzte sind von diesem Verlauf überrascht.
Der Mann ist sportlich, körperlich sehr fit und achtet seit Jahren gezielt auf seine Ernährung und die Versorgung mit Vitalstoffen.
Ein Einzelfall?
Natürlich.
Aber er wirft eine spannende Frage auf:
Wie schnell könnte Dein Körper eigentlich heilen, wenn er optimale Bedingungen dafür hätte?
Denn vielleicht brauchen wir für eine außergewöhnlich gute Heilung gar keinen „Turbo“.
Vielleicht müssen wir einfach nur den Fuß von der Bremse nehmen.
Was wir für „normal“ halten
Ein Knochenbruch braucht mehrere Wochen. Eine Verletzung zwingt uns zu einer langen Pause. Wunden brauchen ihre Zeit.
Das kennen wir so – und deshalb halten wir es für normal.
Doch „normal“ bedeutet zunächst einmal nur: So erleben wir es bei vielen Menschen heute.
Menschen, die einen großen Teil ihres Tages sitzen. Die sich wenig bewegen. Deren Muskeln kaum noch kräftige Reize bekommen. Die vielleicht seit Jahren unter Stress stehen. Und deren Körper möglicherweise nicht mit allen lebensnotwendigen Stoffen optimal versorgt ist.
Was passiert, wenn wir diese Voraussetzungen verändern?
Es gibt Erfahrungsberichte von sportlichen Menschen (Artikel 1, Artikel 2, Artikel 3), bei denen Knochenverletzungen erstaunlich schnell wieder schmerzfrei oder belastbar waren. Einer berichtet von einem schweren Mittelfußbruch, der nach vier Wochen bereits stabil gewesen sei. Ein anderer von mehreren Ermüdungsbrüchen und davon, bereits nach kurzer Zeit wieder schmerzfrei gewesen zu sein.
Gemeinsam hatten diese Menschen vor allem zwei Dinge:
Sie waren körperlich sehr aktiv und achteten intensiv auf ihre Versorgung.
Solche Erfahrungen sind keine Garantie, dass jeder Knochenbruch in wenigen Wochen heilt.
Aber sie werfen eine interessante Frage auf:
Was ist für unseren Körper eigentlich möglich, wenn wir ihm optimale Voraussetzungen für Heilung geben?
Wofür wurde Dein Körper gebaut?
Dafür hilft ein Blick weit zurück in unsere Entwicklungsgeschichte.
Der menschliche Körper entstand nicht am Schreibtisch.
Unsere Vorfahren hatten kein Auto, keinen Bürostuhl und keinen Supermarkt um die Ecke. Bewegung war kein Hobby und kein Programmpunkt nach Feierabend.
Bewegung war Leben.
Gehen. Laufen. Tragen. Heben. Klettern. Jagen. Sammeln.
Über unzählige Generationen hat sich unser Körper unter diesen Bedingungen entwickelt.
Und deshalb reagiert er bis heute auf Bewegung.
Belastest Du Deine Muskeln, bekommt Dein Körper das Signal, sie zu erhalten und aufzubauen. Belastest Du Deine Knochen, reagieren auch sie auf diese Belastung. Kreislauf und Energieversorgung passen sich an.
Bewegung sagt Deinem Körper: Dieser Körper wird gebraucht.
Dann kam unser moderner Lebensstil.
Innerhalb eines winzigen Augenblicks unserer Entwicklungsgeschichte haben wir einen großen Teil der Bewegung aus unserem Alltag entfernt.
Unser Körper ist aber weitgehend derselbe geblieben.
Bewegung war Leben. Bewegung ist Leben.
Verletzt? Dann braucht Dein Körper erst recht Bewegung
Das bedeutet natürlich nicht, dass Du mit einem gebrochenen Fuß joggen oder mit einer verletzten Schulter Gewichte stemmen solltest.
Eine Verletzung gehört medizinisch abgeklärt und die verletzte Struktur braucht die notwendige Ruhe.
Aber eine verletzte Hand bedeutet keinen stillgelegten Körper.
Andere Teile des Körpers können weiterhin bewegt und trainiert werden.
Das hält nicht nur Muskeln und Kreislauf aktiv. Bewegung verbessert die Durchblutung und damit den Transport von Sauerstoff und Nährstoffen durch Deinen Körper.
Und körperliche Belastung sendet weiterhin eine wichtige Botschaft:
Erhalten. Aufbauen. Leistungsfähig bleiben.
Statt den gesamten Körper in den Abbaumodus zu schicken, bleiben möglichst viele seiner Systeme aktiv.
Doch Aufbauen funktioniert nur, wenn Material da ist
Stell Dir vor, Du willst ein Haus reparieren.
Die Bauarbeiter stehen bereit. Der Bauplan liegt auf dem Tisch.
Doch wie schnell wird die Baustelle fertig, wenn Material, Werkzeug und Energie fehlen?
Genau dieses Problem kann auch Dein Körper haben.
Denn Heilung ist Arbeit.
Wunden müssen geschlossen werden. Neue Haut entsteht. Beschädigte Strukturen werden abgebaut und ersetzt. Knochen wird neu aufgebaut. Dein Immunsystem räumt auf und koordiniert die Reparatur.
All das passiert nicht einfach so.
Deine Zellen müssen diese Arbeit erledigen.
Sie sind die Bauarbeiter Deines Körpers.
Und diese Bauarbeiter brauchen funktionierende Arbeitsbedingungen, Baustoffe, Werkzeuge und Energie.
Kein Nice-to-have – lebensnotwendig!
Wir reden über Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß oder Omega-3 häufig so, als wären sie für unseren Körper eigentlich gar nicht so wichtig.
Als könnte man sie nehmen, wenn man seinem Körper noch etwas besonders Gutes tun möchte.
Dabei ist genau das der Denkfehler:
Diese Stoffe sind lebensnotwendig!
Bei Vitaminen steckt diese Bedeutung bereits in ihrer Definition: Dein Körper benötigt sie für lebenswichtige Funktionen, kann sie aber nicht oder nicht ausreichend selbst herstellen.
Ähnliches gilt für essentielle Fettsäuren und essentielle Aminosäuren. Dein Körper braucht sie – und muss sie von außen bekommen.
Wir sprechen also nicht darüber, Deinem Körper noch ein i-Tüpfelchen mitzugeben. Wir sprechen über Stoffe, die er braucht, damit er überhaupt funktionieren kann.
Die interessante Frage lautet deshalb nicht:
„Könnte mir etwas mehr Vitamin D, Omega-3 oder Eiweiß bei der Heilung helfen?“
Sondern:
„Hat mein Körper überhaupt ausreichend Omega-3, Eiweiß, Magnesium, Vitamin D, Zink und Vitamin C, um seine Reparaturprogramme mit voller Leistung laufen zu lassen?“
Denn genau hier könnte bereits die erste Bremse sitzen.
Natürlich braucht Dein Körper für Heilung weit mehr als sechs Stoffe. Schauen wir uns aber einige an, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnen.
Omega-3 – damit Deine Bauarbeiter arbeiten können
Jede Reparatur wird von Zellen erledigt.
Und jede dieser Zellen besitzt eine Hülle, die darüber mitentscheidet, wie gut Stoffe hinein- und hinausgelangen und wie gut Signale aufgenommen und weitergegeben werden.
Omega-3 ist ein wichtiger Bestandteil dieser Zellhüllen.
Stell Dir nun eine Baustelle vor, auf der sich die Bauarbeiter kaum miteinander abstimmen können und Material nicht vernünftig dorthin gelangt, wo es gebraucht wird.
Keine besonders effiziente Baustelle.
Eine gute Versorgung mit Omega-3 trägt dazu bei, die Zellhüllen beweglich und funktionsfähig zu halten.
Doch Omega-3 hat für die Heilung noch eine weitere wichtige Aufgabe.
Eine Verletzung löst zunächst eine Entzündung aus. Das ist gewollt: Dein Körper räumt beschädigtes Gewebe weg und startet die Reparatur.
Anschließend muss diese Reaktion aber auch wieder heruntergefahren werden.
Auch dabei spielen Omega-3-Fettsäuren eine wichtige Rolle.
Eine gute Baustelle braucht schließlich nicht möglichst viel Aktivität. Sie braucht die richtige Aktivität zur richtigen Zeit.
Eiweiß – das Baumaterial
Jetzt können unsere Bauarbeiter arbeiten.
Aber womit sollen sie bauen?
Will Dein Körper neues Gewebe herstellen, braucht er Material dafür. Eiweiß liefert ihm Bausteine für Muskeln, Haut, Bindegewebe und viele weitere Strukturen.
Bei einer Verletzung muss Dein Körper genau solche Strukturen neu herstellen.
Reparieren ohne genügend Eiweiß wäre wie Mauern ohne Steine.
Mehr über diesen wundervollen Makronährstoff habe ich bereits hier beschrieben.
Magnesium – Energie für die Baustelle
Material und Arbeiter reichen noch nicht.
Eine Baustelle braucht Energie.
Auch Deine Zellen benötigen Energie, um beschädigte Strukturen abzubauen, neue aufzubauen und unzählige Reparaturprozesse am Laufen zu halten. Der Aufbau neuer Eiweiße kostet Deine Zellen enorme Mengen an Energie.
Magnesium wird benötigt, damit Dein Körper seine Energie überhaupt richtig nutzen kann.
Eine Großbaustelle funktioniert schließlich schlecht, wenn ständig der Strom ausfällt.
Vitamin D – kein nettes Extra
Wie wichtig eine gute Versorgung ist, zeigt gerade eine neue Untersuchung zur Knochenheilung.
Forscher haben einen Mechanismus entdeckt, über den Vitamin D Einfluss darauf nimmt, ob sich bestimmte körpereigene Zellen zu knochenaufbauenden Zellen entwickeln.
Und Vitamin D ist noch ungewöhnlicher, als sein Name vermuten lässt:
Dein Körper baut es zu einem Steroidhormon um.
Aus dem vermeintlichen „Vitamin“ wird damit ein Signalgeber, der Deinen Zellen sagt, was sie tun sollen.
Vitamin D ist also nicht einfach nur „gut für die Knochen“. Es ist Teil der Steuerung, mit der Dein Körper Aufbau und andere lebenswichtige Vorgänge regelt.
Fehlt Vitamin D, fehlt nicht einfach nur „ein bisschen Vitamin“.
Deinem Körper fehlt ein Stoff, den er für seine eigene Steuerung braucht.
Und genau deshalb ist die neue Entdeckung zur Knochenheilung so spannend.
Der Bauplan für Heilung steckt längst in Deinem Körper.
Die Frage ist nicht, ob Dein Körper weiß, wie man einen Knochen repariert.
Die Frage ist, ob er alles bekommt, was er braucht, um diesen Bauplan auch umzusetzen.
Mehr über die aktuellen Forschungsergebnisse kannst Du in diesem Welt-Artikel lesen.
Zink – Werkzeug für neue Zellen
Bei einer Verletzung muss Dein Körper neue Zellen bilden.
Und genau dafür wird Zink gebraucht. Es spielt außerdem bei der Hauterneuerung und der Arbeit Deines Immunsystems eine wichtige Rolle.
Auf unserer Baustelle gehört Zink deshalb zum Werkzeug, ohne das viele Arbeiten nicht vernünftig erledigt werden können.
Je mehr repariert werden muss, desto wichtiger ist es, dass dieses Werkzeug auch vorhanden ist.
Vitamin C – ohne Werkzeug kein stabiles Gerüst
Vitamin C zeigt besonders anschaulich, warum Vitalstoffe keine Wellness-Zugabe sind.
Du schneidest Dich in den Finger.
Einige Zeit später ist die Wunde verschwunden.
Was selbstverständlich aussieht, ist in Wirklichkeit eine enorme Leistung Deines Körpers.
Er muss unter anderem neues Kollagen herstellen. Kollagen gibt Deiner Haut und Deinem Bindegewebe Stabilität und bildet auch einen wichtigen Teil Deiner Knochen.
Und für den Aufbau von stabilem Kollagen braucht Dein Körper Vitamin C.
Fehlt Vitamin C, funktioniert dieser Aufbau schlechter. Bei einem ausgeprägten Mangel verschlechtert sich deshalb unter anderem die Wundheilung.
Der Bauplan kann perfekt sein. Die Bauarbeiter können bereitstehen. Das Material kann auf der Baustelle liegen.
Wenn das notwendige Werkzeug fehlt, wird trotzdem nicht vernünftig gebaut.
Mehr über Mikronährstoffe und Wundheilung kannst Du auch hier bei meinem Kooperationspartner Orthomed nachlesen.
Vielleicht gibt es gar keine Turbo-Heilung
Und damit kommen wir zurück zu den erstaunlichen Heilungsverläufen vom Anfang.
Vielleicht waren diese Heilungen gar nicht außergewöhnlich schnell.
Vielleicht vergleichen wir sie nur mit Körpern, die permanent mit angezogener Handbremse reparieren müssen.
Wir fragen:
„Wie kann ich meine Heilung beschleunigen?“
Vielleicht sollten wir stattdessen fragen:
„Was hindert meinen Körper daran, so gut zu heilen, wie er eigentlich könnte?“
Er kann nur mit dem arbeiten, was Du ihm zur Verfügung stellst.
Vielleicht ist „Turbo-Heilung“ deshalb gar kein Turbo.
Vielleicht sieht ein Körper, der gut versorgt ist, regelmäßig bewegt wird und seine natürlichen Reparaturprogramme voll nutzen kann, aus unserer heutigen Perspektive einfach nur außergewöhnlich aus.
Und wie sieht es bei Dir aus?
Genau hier wird es spannend für Dich.
Denn Du kannst Dich ausgewogen ernähren, Sport treiben und Dich gesund fühlen – und doch weißt Du nicht, wie gut Dein Körper tatsächlich versorgt ist.
Wie stark stehst Du auf der Bremse?
Ich möchte nicht raten.
Ich möchte wissen, wo die Bremse sitzt.
Nicht raten. Messen. Verstehen.