Nur nach Vereinbarung

Gas geben für gesunde Gefäße


Deine Gefäße brauchen Gas.

Und das meine ich durchaus wörtlich.

Denn Dein Körper produziert ein Gas, das Deine Gefäße weit macht:

Stickstoffmonoxid. Kurz: NO.


Noch nie gehört?

Macht nichts.

Denn seine Wirkung kennst Du wahrscheinlich trotzdem.


Viagra sagt Dir etwas?

Dazu unten mehr.


Aber NO kann noch einiges mehr.

Es hilft Deinen Gefäßen dabei, sich zu entspannen und weiter zu werden. Dadurch kann mehr Blut hindurchfließen und dort ankommen, wo Dein Körper es gerade braucht.

Und das wird nicht nur für Deine Gefäße interessant.

Sondern auch für Deinen Stoffwechsel.


Dein Körper ist nicht fürs Sitzen gebaut

Vielleicht sieht Dein Arbeitstag ungefähr so aus:

Auto. Schreibtisch. Besprechung. Schreibtisch. Auto. Sofa.

Dein Kopf arbeitet den ganzen Tag.

Deine Muskeln und Gefäße dagegen bekommen erstaunlich wenig zu tun.


Denn Deine Gefäße sind keine starren Wasserleitungen.

Sie müssen sich ständig anpassen.

Sobald Du Dich bewegst, braucht Deine Muskulatur mehr Sauerstoff und Energie. Dein Herz pumpt mehr Blut durch Deine Gefäße und der stärkere Blutstrom streicht an ihrer Innenwand entlang.

Dieser Reiz hat sogar einen Namen:

Scherstress.


Und darauf reagiert Deine Gefäßwand.

Sie bildet NO.


NO gibt der Muskulatur um Deine Gefäße das Signal:

Entspann Dich. Mach auf!

Das Gefäß wird weiter.

Mehr Blut kann hindurchfließen.

Mehr Sauerstoff und Energie können dort ankommen, wo sie gerade gebraucht werden.


Du bewegst Deine Muskeln.

Dein Blut kommt in Bewegung.

Deine Gefäße reagieren.


Sport trainiert also nicht nur Deine Muskeln.

Er trainiert auch Deine Gefäße.

Gas geben produziert tatsächlich Gas.


Was hast Du davon?

Du kannst die beste Nahrung der Welt essen.

Wenn Energie und Sauerstoff nicht dort ankommen, wo Du sie brauchst, hast Du wenig davon.


Energie transportieren.

Energie aufnehmen.

Energie verbrennen.

Bei allen drei mischt NO mit.


Was haben Deine Gefäße mit Deinem Blutzucker zu tun?

Mehr als Du vielleicht denkst.

Nach dem Essen landet ein Teil der bereitgestellten Energie als Glukose in Deinem Blut.

Dort soll sie aber nicht bleiben.

Sie soll in Deine Zellen.


Und einer der größten Abnehmer dafür ist Deine Muskulatur.

Nur muss der Zucker dort erst einmal hinkommen.

Dafür braucht Dein Körper nicht nur Insulin.

Er braucht auch funktionierende Zufahrtswege.


Insulin hilft nicht nur dabei, Glukose in Deine Muskelzellen zu bekommen.

Es hilft gleichzeitig dabei, kleine Gefäße in Deiner Muskulatur zu öffnen. NO spielt dabei eine wichtige Rolle.


Mehr Muskelgewebe wird mit Blut erreicht.

Mehr Glukose kann dort ankommen, wo sie gebraucht wird.


Bei einer Insulinresistenz gerät genau dieses Zusammenspiel ins Stocken.

Plötzlich haben Dein Blutzucker und Deine Gefäße dasselbe Problem.

Und jetzt kommt Bewegung.


Du benutzt Deine Muskeln.

Sie brauchen Energie.

Der Blutfluss steigt.

Deine Gefäße produzieren mehr NO.

Und Deine Muskulatur bekommt gleichzeitig einen starken Reiz, Glukose aus dem Blut aufzunehmen.

Ein Spaziergang nach dem Essen ist damit weit mehr als ein bisschen Kalorienverbrennen.

Ich habe es bei mir selbst gemessen: Ein Spaziergang nach dem Essen kann den steigenden Blutzucker erstaunlich schnell wieder in normale Bahnen lenken.


Deine Zellen brauchen Kraftwerke

In Deinen Mitochondrien wird aus Zucker und Fett nutzbare Energie.

Sie sind die Kraftwerke Deiner Zellen.


Und selbst hier mischt NO mit.

Es beteiligt sich an Signalen, die Deinen Zellen sagen:

Wir brauchen mehr Energie. Baut die Kraftwerke aus!


Mehr und leistungsfähigere Kraftwerke bedeuten mehr Möglichkeiten, Zucker und Fett in nutzbare Energie zu verwandeln.


Was hat NO mit Deinen Fettpölsterchen zu tun?

Vielleicht hat sich über die letzten Jahre auch bei Dir das eine oder andere kleine Wohlstandspolster angesammelt.

Eigentlich nichts Überraschendes.

Unser Alltag ist ziemlich gut darin, Energie zu liefern – und ziemlich schlecht darin, sie wieder einzufordern.


Auto statt Fahrrad.

Schreibtisch statt Bewegung.

Essen jederzeit verfügbar.


Dein weißes Fettgewebe nimmt überschüssige Energie dankbar entgegen und speichert sie für später.

Nur kommt dieses „später“ erstaunlich selten.


Aber Fett kann auch anders.

Braunes Fett besitzt besonders viele Mitochondrien und verheizt Energie als Wärme.


Und selbst Teile unseres weißen Fettgewebes können Eigenschaften dieses aktiveren Fettgewebes annehmen.

Es wird gewissermaßen „brauner“.

NO mischt auch bei den Signalen mit, die Fettgewebe in diese Richtung bewegen können.


Soll Deine überschüssige Energie lieber Dein Wohlstandsbäuchlein vergrößern?

Oder als Wärme verheizt werden?


Dein Blut soll fließen – nicht verklumpen

NO macht Deine Gefäße nicht nur weiter.

Es hilft auch dabei, Dein Blut am Fließen zu halten.


Dafür bremst es Deine Blutplättchen dabei, unnötig aneinanderzukleben.

Warum das wichtig ist?

Stell Dir eine bereits geschädigte Arterie vor.


Das ist gar nicht mal so weit weg, wie es vielleicht klingt.

Stressiger Alltag. Wenig Bewegung. Suboptimale Ernährung. Hoher Blutzucker. Chronische Entzündungen.

Arteriosklerose beginnt nicht erst mit 70. Veränderungen an unseren Gefäßen entwickeln sich schon Jahrzehnte vorher.

Bildet sich an einer solchen Stelle ein Blutgerinnsel und verschließt plötzlich das Gefäß, bekommt das Gewebe dahinter keinen Sauerstoff mehr.

Am Herzen kann daraus ein Herzinfarkt werden.

Im Gehirn ein Schlaganfall.


Die Funktion Deiner Gefäße kann sich verändern, lange bevor Du davon überhaupt etwas bemerkst.

Genau hier beginnt auch die Geschichte der Arteriosklerose.


Und was war jetzt mit Viagra?

Damit wären wir wieder beim Anfang.

Es gibt eine Stelle am Körper, an der Du die Wirkung von NO ziemlich eindrucksvoll beobachten kannst:

den Schwellkörper.


Damit eine Erektion entstehen kann, muss Blut hineinfließen.

Dafür müssen sich die entsprechenden Gefäße erweitern.

Und dafür braucht Dein Körper unter anderem:

NO.


NO löst ein Signal aus, das dafür sorgt, dass die Gefäße entspannt bleiben.

Und genau hier setzt Viagra an.

Es sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass die von NO ausgelöste Wirkung länger anhält.


Viagra erzeugt also nicht einfach eine Erektion.

Es verlängert ein Signal, das Dein Körper selbst erzeugt.


Was Deinem NO das Leben schwer macht

Dein Körper kann NO selbst herstellen.

Dafür braucht er unter anderem eine Aminosäure:

Arginin.


Und auch Citrullin ist interessant.

Dein Körper kann daraus Arginin herstellen – und Citrullin kann den Argininspiegel sogar stärker ansteigen lassen als Arginin selbst.


Aber Baumaterial allein reicht nicht.

Auch die Bedingungen müssen stimmen.


Bewegungsmangel.

Dauerhaft hoher Blutzucker.

Rauchen.

Chronische Entzündungen.

Oxidativer Stress.


Unter diesen Bedingungen geht Deinem Gefäßsystem zunehmend schützendes NO verloren.

Und dann kann eine ungünstige Kettenreaktion entstehen:


→ Die Gefäße reagieren schlechter.

→ Die Muskulatur bekommt weniger Treibstoff.

→ Der Zucker bleibt länger im Blut.

→ Insulin bleibt länger erhöht.

→ Die Fettverbrennung wird gebremst.

→ Chronische Entzündungen bekommen zusätzlichen Rückenwind.


Arteriosklerose, Insulinresistenz und chronische Entzündungen sind eben keine drei getrennten Baustellen.

In Deinem Körper hängen sie miteinander zusammen.


Dein Körper kennt noch einen zweiten Weg

NO kann Dein Körper aber noch auf einem anderen Weg bilden.

Und dafür kannst Du beim Essen etwas tun.


Du brauchst:

Gemüse.

Rucola.

Spinat.

Blattsalate.

Rote Bete.


Sie können größere Mengen Nitrat enthalten.

Und aus diesem Nitrat kann Dein Körper ebenfalls NO bilden.

Aber dafür braucht er Mitarbeiter, die Du wahrscheinlich nicht auf Deiner Gehaltsliste hattest:

Deine Mundbakterien.


Bitte nicht alle Mitarbeiter feuern

Du isst Rucola.

Das enthaltene Nitrat wird aufgenommen – und ein Teil davon gelangt über Deinen Speichel zurück in Deinen Mund.

Dort übernehmen Deine Mundbakterien einen wichtigen Arbeitsschritt auf dem Weg zu NO.

Deine Mundflora ist also Teil Deiner NO-Produktion.


Und jetzt stell Dir vor:

Du putzt gründlich Deine Zähne.

Benutzt Zahnseide.

Und zum Abschluss kommt noch die kräftige antibakterielle Mundspülung.

Alles schön keimfrei machen.


Dummerweise unterscheidet die Mundspülung nicht unbedingt zwischen:

„Dieses Bakterium möchte ich nicht.“

und

„Dieses Bakterium arbeitet gerade für meinen Stoffwechsel.“


Antibakterielle Mundspülungen können deshalb diesen Weg der NO-Produktion stören.

Ein Teil Deiner Bakterien arbeitet eben für Dich.


Und dann wäre da noch Deine Nase

Auch Deine Nase produziert NO.

Besonders in Deinen Nasennebenhöhlen entstehen hohe Konzentrationen davon.

Atmest Du durch die Nase, nimmst Du einen Teil dieses körpereigenen Gases mit in Deine Atemwege.

Neben Luftfilter, Heizung und Luftbefeuchter besitzt Deine Nase also noch eine weitere Funktion:

Sie liefert Dir NO gleich mit.


Und Nasenatmung hat noch einen zweiten interessanten Effekt:

Du atmest weniger Kohlendioxid ab. Und das hilft Deinem Körper, mehr Sauerstoff dort abzuladen, wo er gebraucht wird: in Deinen Zellen.

Zur Nasenatmung habe ich auch bereits hier etwas geschrieben.


Wie kannst Du Deine NO-Produktion unterstützen?

Eigentlich erstaunlich einfach.

Beweg Dich.

Besonders nach dem Essen.


Atme beim Training durch die Nase – solange die Belastung es zulässt.


Iss Gemüse.

Vor allem Rucola, Spinat, Blattsalate und Rote Bete liefern Nitrat.


Liefere Baustoffe.

Eiweiß liefert unter anderem Arginin.

Citrullin kann Deinem Körper zusätzlich Arginin zur Verfügung stellen. Und falls Du Dich fragst, wo Citrullin eigentlich vorkommt: Ein erstaunlich guter natürlicher Lieferant ist die Wassermelone – sogar ihre sonst meist weggeworfene Rinde enthält Citrullin.


Und lass Deine Mitarbeiter arbeiten.

Nicht jeder Mitarbeiter muss nach dem Zähneputzen gefeuert werden.


Also: Gas geben!

Dein Körper kümmert sich jeden Tag um seine NO-Produktion.

Du entscheidest mit, unter welchen Bedingungen.


Sitzen oder bewegen.

Muskeln nutzen oder abbauen.

Gemüse oder hochverarbeitete Lebensmittel.

Nasenatmung beim Training oder offener Mund.


Viele dieser Entscheidungen hinterlassen Spuren in Deinem Stoffwechsel.


Du willst wissen, wie gut Dein Körper heute mit Energie, Zucker, Fetten und Entzündungen umgeht?


Nicht raten. Messen. Verstehen.