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Wie Muskelschwund Deine Altersvorsorge wegknabbert: Sarkopenie


Früher warst Du fitter, hast Dich schneller erholt und konntest essen, ohne dass sich jede kleine Ausnahme gleich auf der Waage bemerkbar gemacht hat?


Vielleicht ist das nicht nur ein Gefühl.


Denn während wir über Falten, graue Haare und andere sichtbare Zeichen des Älterwerdens sprechen, passiert in unserem Körper noch etwas anderes:

Wir verlieren Muskulatur.


Und dieser Verlust beginnt nicht erst mit 70 oder 80.

Er beginnt bereits ab etwa 30.


Schleichend.

Jahr für Jahr.

Und damit verlieren wir weit mehr als nur Kraft.


Wir verlieren einen Teil der Strukturen, die Zucker aus unserem Blut ziehen, Fett zur Energiegewinnung nutzen und uns körperliche Reserven zur Verfügung stellen.


Stück für Stück knabbern wir damit an etwas, dessen Wert wir häufig erst erkennen, wenn es fehlt:

unserer körperlichen Altersvorsorge.


Deine größte Altersvorsorge steckt nicht auf dem Bankkonto

Was nützt Dir das schönste Bankkonto, wenn Dir irgendwann die Kraft fehlt, Dein eigenes Leben zu führen?

Muskulatur bedeutet, selbstständig aufzustehen, Treppen zu steigen, Einkäufe zu tragen oder einen Sturz abzufangen.

Sie gibt Dir Kraft, Dich körperlich zu behaupten – und Reserven für Krankheiten, Operationen oder Unfälle.


Es geht also nicht um einen beeindruckenden Oberarm.

Es geht um Selbstständigkeit. Widerstandsfähigkeit. Und Freiheit.


Doch Muskulatur ist nicht nur Deine Altersvorsorge für später.

Sie ist auch Dein Betriebskapital für heute.

Denn Deine Muskeln bewegen Dich nicht einfach nur.

Sie sind eines Deiner größten Stoffwechselorgane.


Mit Deinen Muskeln verlierst Du einen wichtigen Zuckerverbraucher

Wenn Deine Muskeln arbeiten, benötigen sie Energie.

Und einen Teil davon holen sie sich direkt aus Deinem Blut: Zucker.

Je mehr aktive Muskulatur Du besitzt und je regelmäßiger Du sie benutzt, desto größer ist auch dieser Verbraucher.


Das Spannende daran:

Arbeitende Muskeln können ihre Zuckeraufnahme stark erhöhen. Gleichzeitig sorgt regelmäßige Bewegung dafür, dass ihre Zellen besser auf Insulin reagieren.

Deine Muskeln helfen Deinem Körper also dabei, Zucker dort hinzubringen, wo er gebraucht wird: in die Zellen.

Verlierst Du Muskulatur und bewegst Dich gleichzeitig weniger, verlierst Du damit auch einen wichtigen Mitspieler für einen gesunden Stoffwechsel.


Ein trainierter Muskel ist deshalb nicht einfach nur stärker.

Er verändert die Bedingungen, unter denen Dein gesamter Stoffwechsel arbeitet.


Mit Deinen Muskeln verlierst Du auch die Öfen für Deine Fettverbrennung

Muskeln brauchen Energie.

Dafür enthalten sie Mitochondrien – die Kraftwerke unserer Zellen.

Und genau dort können Fettsäuren verbrannt und in nutzbare Energie verwandelt werden.


Das Spannende daran:

Diese Verbrennungskapazität beeinflussen wir selbst.


Mit Krafttraining können wir Muskulatur aufbauen und erhalten – und damit Gewebe, das Energie verbraucht.

Mit Ausdauertraining setzen wir andere Reize. Die vorhandene Muskulatur lernt, Energie effizienter bereitzustellen und Fett besser als Brennstoff zu nutzen. Gleichzeitig steigen Zahl und Leistungsfähigkeit der Mitochondrien.


Wir können also an zwei Stellschrauben drehen:

Krafttraining erhält und vergrößert den Motor.

Ausdauertraining verbessert die Verbrennung darin.

Während wir unsere Fettreserven meist möglichst schnell wieder loswerden möchten, können wir gleichzeitig genau die Strukturen trainieren, die diese Energie nutzen.


Mehr Muskulatur.

Mehr trainierte Mitochondrien.

Mehr Kapazität, Fett zur Energiegewinnung zu nutzen.

Gerade wenn sich über die Jahre bereits das eine oder andere Wohlstandspolster angesammelt hat, ist das eine ziemlich interessante Rechnung.


Mit Deinen Muskeln verlierst Du körperliche Reserven

Noch spannender wird es beim Eiweiß.

Unsere Muskulatur enthält einen großen Teil des körpereigenen Proteins und damit enorme Mengen an Aminosäuren.

Im Alltag denken wir darüber kaum nach.

Doch bei schweren Erkrankungen, Verletzungen oder Operationen kann dieses Reservoir plötzlich enorm wichtig werden.


Der Körper kann Muskelprotein abbauen und die frei werdenden Aminosäuren an anderer Stelle einsetzen:

für Reparaturprozesse,

für die Bildung wichtiger Proteine

und für die Immunantwort.

Gerade in schweren Belastungssituationen greift der Körper deshalb auf Muskelprotein zurück.


Und plötzlich bekommt Muskelmasse eine völlig andere Bedeutung.

Sie ist nicht nur Kraft. Sie ist Reserve.


Man könnte deshalb sagen:

Deine Muskulatur ist Deine Lebensversicherung für den Krankheitsfall.


Mit Deinen Muskeln verlierst Du auch wichtige Signale

Und Muskulatur kann noch mehr.

Wenn wir unsere Muskeln benutzen, produzieren sie eigene Botenstoffe – sogenannte Myokine.

Über sie kommuniziert der arbeitende Muskel mit anderen Geweben und beeinflusst Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse im Körper.


Einige der durch Bewegung ausgelösten Signale erreichen sogar unser Gehirn und unterstützen dort Prozesse, die für Anpassungsfähigkeit und Nervenzellfunktion wichtig sind.


Das bedeutet:

Bewegung verbraucht nicht einfach nur Kalorien.

Bewegung sendet biologische Informationen – vom Muskel bis ins Gehirn.


Jede Trainingseinheit erzeugt Signale, auf die Dein Körper reagiert.

Regelmäßige Bewegung macht aus diesen kurzfristigen Signalen langfristige Anpassungen.

Genau deshalb ist Bewegung weit mehr als ein Mittel zum Abnehmen.


Und dann lassen wir dieses Vermögen langsam verschwinden

Wenn Muskulatur so wertvoll ist, stellt sich eine interessante Frage:

Warum verlieren wir sie überhaupt?


Ein Teil der Veränderungen hängt tatsächlich mit dem Älterwerden zusammen.


Aber gleichzeitig verändert sich häufig unser Leben.

Wir sitzen mehr.

Wir bewegen uns weniger.

Wir setzen unseren Muskeln weniger intensive Belastungsreize.

Schlaf und Regeneration leiden.

Und Eiweiß spielt bei vielen Mahlzeiten nur eine Nebenrolle.

Gleichzeitig können sich die Bedingungen im Körper verändern:


Unsere Zellen können schlechter auf Insulin reagieren.

Chronische Entzündungsprozesse können zunehmen.

Hormonelle Bedingungen verändern sich.

Und der Körper reagiert darauf.


Denn Muskulatur kostet Energie und Ressourcen.


Warum sollte Dein Körper große Mengen davon erhalten, wenn Du ihm Tag für Tag zeigst, dass Du sie offenbar gar nicht benötigst?


Was regelmäßig gebraucht wird, bleibt.

Was nicht gebraucht wird, wird reduziert.

Wird dieser Verlust ausgeprägt und geht mit nachlassender Muskelkraft oder körperlicher Leistungsfähigkeit einher, sprechen wir von Sarkopenie.


Doch entscheidend ist:

Du musst nicht warten, bis daraus im Alter ein sichtbares Problem wird.


Muskelerhalt braucht mehr als einen Eiweißshake

Damit Dein Körper Muskulatur erhalten und aufbauen kann, müssen mehrere Dinge zusammenspielen.

Im Grunde ist es wie auf einer Baustelle.


1. Der Bauauftrag: Bewegung

Vor allem Krafttraining setzt ein starkes Signal:

Diese Struktur wird gebraucht.

Du musst dafür nicht zum Bodybuilder werden.

Du musst Deinem Körper nur regelmäßig einen guten Grund geben, seine Muskulatur zu behalten.


2. Das Baumaterial: Eiweiß

Der beste Bauauftrag hilft wenig, wenn das Material fehlt.

Für Deine Muskulatur sind diese Baustoffe vor allem Aminosäuren aus Eiweiß.

Und einige dieser Aminosäuren liefern gleichzeitig wichtige Aufbausignale.

Mit zunehmendem Alter kann der Muskel auf solche Signale weniger empfindlich reagieren. Man spricht von anaboler Resistenz.

Gerade deshalb werden ausreichendes Eiweiß und regelmäßige Muskelbelastung mit zunehmendem Alter wichtiger.

Und hier schaue ich in der Praxis besonders gern auf eine Mahlzeit:

das Frühstück.


Viele Menschen starten morgens fast ausschließlich mit Kohlenhydraten:

Brötchen.

Marmelade.

Müsli.

Obst.

Kaffee.

Eiweiß spielt häufig nur eine Nebenrolle.


Dabei liegt bereits eine lange Nahrungspause hinter uns.

Ein eiweißreiches Frühstück ist deshalb eine einfache Möglichkeit, dem Körper früh am Tag wieder ausreichend Aminosäuren zur Verfügung zu stellen und die Abbauphase der Nacht schnell zu beenden.


Entscheidend ist allerdings nicht nur das Frühstück.

Entscheidend ist, über den gesamten Tag ausreichend Eiweiß aufzunehmen und sinnvoll auf die Mahlzeiten zu verteilen.


3. Die Bedingungen auf der Baustelle: Dein Stoffwechsel

Bauauftrag und Baumaterial allein reichen nicht.

Dein Körper muss damit auch arbeiten können.

Eine wichtige Rolle spielt dabei Insulin.

Insulin kennen viele Menschen vor allem im Zusammenhang mit Blutzucker. Doch es kann weit mehr.


Es ist eines der wichtigen Signale, mit denen Dein Körper nach einer Mahlzeit auf „Versorgen, Speichern und Aufbauen“ umschaltet. Es beeinflusst, wie Dein Körper Zucker, Fette und Aminosäuren verarbeitet und nutzt.

Insulin ist also nicht Dein Feind. Dein Körper braucht dieses Signal.


Entscheidend ist vielmehr, wie gut Deine Zellen darauf reagieren.

Im Idealfall genügt bereits eine kleine Menge Insulin und die Botschaft kommt an.

Doch werden Deine Zellen immer unempfindlicher gegenüber diesem Signal, muss Dein Körper mehr Insulin ausschütten, um noch die gleiche Wirkung zu erzielen.

Der Körper muss immer lauter rufen, weil die Zellen zunehmend taub für sein Signal werden.


Das Problem dabei:

Irgendwann kann der Körper diese nachlassende Reaktion nicht mehr vollständig ausgleichen. Der Zucker bleibt länger und stärker im Blut erhöht. Gleichzeitig können dauerhaft hohe Insulinspiegel die Freisetzung von Fett aus Deinen Fettreserven bremsen und damit ungünstige Stoffwechselbedingungen weiter verstärken.


Aus einem zunächst kaum bemerkbaren Problem kann so ein Kreislauf entstehen:

Die Zellen reagieren schlechter.

Der Körper produziert mehr Insulin.

Das Signal kommt trotzdem immer schlechter an.

Der Stoffwechsel gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht.

Das nennen wir Insulinresistenz.


Und genau hier wird Muskulatur wieder interessant.

Arbeitende Muskeln können große Mengen Zucker aus dem Blut aufnehmen – während der Muskelarbeit sogar über Wege, die nicht allein auf Insulin angewiesen sind.

Gleichzeitig sorgt regelmäßige Bewegung dafür, dass Deine Muskelzellen wieder besser auf Insulin reagieren.

Der Körper muss nicht mehr so laut rufen. Seine Botschaft kommt wieder besser an.


Auch chronische Entzündungsprozesse und hormonelle Veränderungen können die Bedingungen beeinflussen, unter denen Deine Muskulatur erhalten und aufgebaut wird.

Das Baumaterial kann also vorhanden und der Bauauftrag erteilt sein – und trotzdem läuft es auf der Baustelle nicht optimal.


4. Gebaut wird in der Regeneration

Und noch etwas wird häufig vergessen:

Der Muskel wächst nicht während des Trainings.


Training setzt zunächst einen Reiz.

Die Anpassung erfolgt anschließend.

Dafür benötigt Dein Körper Zeit, Energie, Baustoffe und Schlaf.

Training setzt den Bauauftrag.

Regeneration gibt Deinem Körper die Gelegenheit, ihn umzusetzen.


Was Dein Blut heute schon über Deine Altersvorsorge verraten kann

Vielleicht stellst Du Dir jetzt die Frage:

Woher weiß ich eigentlich, unter welchen Bedingungen mein Körper versuchen muss, Muskulatur zu erhalten?


Genau hier können Blutwerte interessant werden.

Es gibt nicht den einen „Sarkopenie-Blutwert“.

Aber Blutwerte können Hinweise darauf geben, wie es auf der Baustelle aussieht.


Sind ausreichend Baustoffe vorhanden?

Wie gut verarbeitet Dein Körper Zucker?

Gibt es Hinweise auf Entzündungsprozesse?

Wie sehen wichtige hormonelle und metabolische Voraussetzungen für Aufbau und Regeneration aus?


Gemeinsam mit Ernährung, Bewegung, Schlaf und Deiner persönlichen Situation entsteht daraus ein wesentlich genaueres Bild.

Denn Muskelerhalt braucht weit mehr als einen Eiweißshake.


Die entscheidende Frage ist nicht, wie muskulös Du mit 70 aussehen möchtest

Vielleicht hast Du beim Wort Muskelerhalt bisher zuerst an Fitness gedacht.


An Hanteln.

An Proteinshakes.

An einen trainierten Körper.

Doch darum geht es letztlich gar nicht.

Es geht darum, ob Du mit 70 oder 80 noch selbstständig vom Boden aufstehen kannst.


Aber es geht eben nicht nur um später.

Deine Muskulatur hilft Dir bereits heute, Zucker zu verwerten, Fett als Energiequelle zu nutzen, körperlich belastbar zu sein und Reserven aufzubauen.


Sie ist Dein Betriebskapital für heute – und Deine Altersvorsorge für morgen.


Die entscheidende Frage lautet deshalb vielleicht gar nicht:

„Wie verhindere ich Muskelabbau im Alter?“

Sondern:

„Wie viel körperliches Vermögen möchte ich heute aufbauen und erhalten, damit ich später davon leben kann?“


Denn Deine Muskulatur ist weit mehr als ein Bewegungsapparat.

Sie ist Deine größte Altersvorsorge.