Nur nach Vereinbarung

Schlachtabfälle für gesunde Gefäße?


Haut. Sehnen. Knorpel. Knochen. Bindegewebe.


Nicht unbedingt die Teile eines Tieres, bei denen uns heute das Wasser im Mund zusammenläuft.

Also essen wir hauptsächlich das schöne Muskelfleisch – und vieles von dem, was früher selbstverständlich mitverwertet wurde, ist von unserem Speiseplan weitgehend verschwunden.

Eigentlich schade.


Denn ausgerechnet in diesen vermeintlichen „Schlachtabfällen“ steckt besonders viel von einem Baustoff, den Dein Körper jeden Tag benötigt:

Kollagen.


Und davon steckt erstaunlich viel in Dir.

Rund ein Drittel des gesamten Eiweißes in Deinem Körper besteht aus Kollagen.


Haut. Knochen. Sehnen. Knorpel. Bindegewebe.

Und:

Deine Gefäße.


Vielleicht kennst Du Kollagen bisher vor allem für straffe Haut und weniger Falten.

Doch Kollagen hält nicht nur Deine Haut zusammen.

Es gibt auch Deinen Gefäßen Struktur und Stabilität.


Und plötzlich werden aus vermeintlichen Schlachtabfällen ziemlich interessante Baustofflieferanten.


Deine Gefäße sind keine starren Wasserleitungen

Wenn wir über gesunde Gefäße sprechen, denken wir meistens an Cholesterin, Ablagerungen und Arteriosklerose.

Doch Deine Gefäße müssen noch etwas anderes können:

Sie müssen Druck aushalten und trotzdem beweglich bleiben.

Mit jedem Herzschlag trifft eine neue Druckwelle auf Deine Arterien.

Mehr als 100.000 Mal am Tag.

Dafür besitzt die Gefäßwand ein ausgeklügeltes Gerüst.


Kollagen gibt Stabilität. Elastin gibt Elastizität.

Das eine hält.

Das andere federt.


Und dieses Gerüst muss Deinen Blutdruck ein ganzes Leben lang aushalten.


In meinem Artikel über Arteriosklerose habe ich bereits beschrieben, was passiert, wenn unsere Gefäße zunehmend geschädigt werden.


Hier interessiert uns die andere Seite:

Woraus baut und repariert Dein Körper seine Gefäßwand eigentlich?


Kollagen ist nicht einfach nur Eiweiß

Vielleicht denkst Du:

„Ich esse doch genug Eiweiß.“


Sehr gut.

Aber Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß.

Hähnchenbrust besitzt ein anderes Aminosäuremuster als Haut, Sehnen oder Bindegewebe.


Kollagen enthält besonders viel:

Glycin. Prolin. Hydroxyprolin.


Vor allem Glycin sticht heraus.

Etwa jede dritte Aminosäure im Kollagen ist Glycin.

Und das hat einen Grund.

Kollagen besteht aus drei Eiweißketten, die sich wie Seile umeinanderwinden.

Glycin ist so klein, dass es immer wieder in das enge Innere dieser Struktur passt. Prolin und Hydroxyprolin helfen dabei, diese Struktur zu stabilisieren.

So entsteht aus einzelnen Aminosäuren ein enorm belastbares Protein.

Genau das möchtest Du von einem Baustoff erwarten, der Haut, Sehnen, Knochen und Gefäßwände stabilisieren soll.


Vielleicht essen wir heute einfach anderes Eiweiß

Wir achten zunehmend darauf, genügend Eiweiß aufzunehmen.

Aber wir essen heute überwiegend Muskelfleisch.


Haut?

Sehnen?

Knorpel?

Bindegewebe?


Eher selten.


Dabei liefern gerade diese Teile besonders viel Kollagen und damit ein Aminosäuremuster, das sich deutlich von Muskelfleisch unterscheidet.

Das bedeutet nicht, dass Muskelfleisch schlecht ist.

Im Gegenteil: Es liefert hochwertiges Protein und essenzielle Aminosäuren.

Aber Dein Körper besteht eben auch nicht nur aus Muskelfleisch.

Wenn rund ein Drittel Deines Körpereiweißes aus Kollagen besteht, lohnt es sich, auch dessen besondere Baustoffe im Blick zu behalten.


Kollagen liefert Baustoff – und möglicherweise sogar den Bauauftrag

Viele glauben, dass unsere Verdauung Eiweiß einfach nur in einzelne Aminosäuren aufspaltet.

Tut sie aber nicht.


Bei der Verdauung von Proteinen entstehen kleinere Peptide. Ein Teil davon kann als kurze Verbindung aus mehreren Aminosäuren aufgenommen werden.

Nach dem Verzehr von Kollagen lassen sich im Blut charakteristische Kollagenbruchstücke – sogenannte Peptide – nachweisen.

Und genau die sind besonders spannend.


Denn bestimmte Kollagenpeptide können Bindegewebszellen offenbar dazu anregen, selbst mehr Kollagen zu bilden.


Kollagen liefert Deinem Körper damit nicht nur Glycin, Prolin und andere Baustoffe.

Es liefert möglicherweise gleichzeitig ein Signal: Aufbauen!


Und dahinter steckt ein Gedanke, den ich besonders spannend finde:

Wir essen nicht nur Bausteine. Wir essen auch Signale. Epigenetik!


Unsere Nahrung liefert unserem Körper nicht einfach nur Kalorien, Vitamine, Fettsäuren und Aminosäuren. Ihre Bestandteile beeinflussen auch biologische Prozesse und geben unseren Zellen Signale.


Genau hier berühren wir den Gedanken der Epigenetik:

Was wir unserem Körper zur Verfügung stellen, bestimmt mit, welche Programme unsere Zellen anschalten und wie sie auf ihre Umwelt reagieren.


Beim Kollagen lässt sich das wunderbar bildlich zusammenfassen:

Du lieferst Deinem Körper nicht nur die Steine. Du lieferst auch gleich den Bauauftrag mit: Aufbauen!


Dein Körper muss sein Kollagen trotzdem selbst bauen

Kollagen zu essen bedeutet natürlich nicht, dass ein Stück davon anschließend direkt in Deiner Gefäßwand landet.

Dein Körper muss sein Gewebe selbst aufbauen, erhalten und reparieren.

Dafür braucht er die entsprechenden Aminosäuren und Peptide.


Aber nicht nur die.

Ein besonders wichtiger Helfer ist:

Vitamin C.


Vitamin C wird benötigt, damit Dein Körper eine stabile Kollagenstruktur herstellen kann.

Fehlt es, wird genau dieses Bindegewebe zum Problem.

Das bekannteste Extrembeispiel ist Skorbut:

Zahnfleischbluten. Schlechte Wundheilung. Instabile Gefäße.


Warum?

Weil stabiles Gewebe eben nicht nur Aminosäuren braucht. Dein Körper muss daraus auch Kollagen bauen können.


Wieder dasselbe Prinzip:

Baustoffe allein reichen nicht.

Der Stoffwechsel muss damit arbeiten können.


Deine Gefäßwand muss sich ein Leben lang reparieren

Deine Gefäßwand ist kein fertiges Bauteil.

Sie wird ein Leben lang belastet, umgebaut und repariert.


Dafür braucht Dein Körper die richtigen Baustoffe – jeden Tag.


Gefäßgesundheit bedeutet deshalb nicht nur, Cholesterin, Blutzucker oder Blutdruck im Blick zu behalten.

Dein Körper muss seine Gefäße auch erhalten und reparieren können.


Und was hat Nasenatmung mit Deinen Gefäßen zu tun?

Eine stabile Gefäßwand ist allerdings nur ein Teil der Geschichte.

Denn Deine Gefäße müssen sich auch entspannen und weiten können.

Und dafür produziert Dein Körper ausgerechnet ein Gas:


Stickstoffmonoxid – kurz NO.


NO beeinflusst Deine Gefäßweite, Durchblutung und Deinen Blutdruck.

Aber das ist längst nicht alles.


Nasenatmung. Bewegung. Insulinwirkung. Zuckerstoffwechsel. Metabolische Gesundheit.

Überall begegnet uns NO.


Und plötzlich hat die Frage, ob Du durch Mund oder Nase atmest, etwas mit Deinem Stoffwechsel und Deinen Gefäßen zu tun.

Auf die Vorteile der Nasenatmung bin ich bereits in diesem Artikel eingegangen:

Sport soll entspannen. Nicht auslaugen.


Was dieses unscheinbare Gas alles in Deinem Körper bewirkt und wie Du seine Bildung beeinflussen kannst, schauen wir uns deshalb in einem eigenen Artikel genauer an.


Vielleicht sind „Schlachtabfälle“ gar keine Abfälle

Unsere Vorfahren haben von einem Tier wesentlich mehr gegessen als nur Filet und Brust.

Heute essen wir vor allem Muskelfleisch – und achten zunehmend darauf, genug Eiweiß aufzunehmen.

Vielleicht sollten wir aber nicht nur auf die Menge schauen.

Sondern auch darauf, welches Eiweiß wir eigentlich essen.


Denn Dein Körper braucht nicht einfach nur Protein.

Haut braucht andere Baustoffe als Muskeln. Sehnen andere als Enzyme. Und auch Deine Gefäßwand muss ein Leben lang erhalten und repariert werden.

Kollagen liefert dafür ein ganz besonderes Aminosäuremuster – und möglicherweise sogar Peptide, die Deinem Körper zusätzlich signalisieren:

Aufbauen!


Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb nicht nur:

„Esse ich genug Eiweiß?“

Sondern:

„Welche Baustoffe und Signale stelle ich meinem Körper eigentlich zur Verfügung?“


Denn Dein Körper baut und repariert jeden Tag.

Mit Deiner Ernährung entscheidest Du, auf welchen Baustellen überhaupt gebaut werden kann.