Eine Fettleber klingt kompliziert.
Ist sie aber gar nicht.
Mit den richtigen Zutaten und etwas Konsequenz kannst Du Deiner Leber jeden Tag dabei helfen, immer mehr Fett einzulagern.
Und das Beste daran:
Du brauchst dafür nicht einmal Alkohol.
Eigentlich brauchst Du nur ausreichend Energie, möglichst wenig Verbrauch – und ein Organ, das bereitwillig verarbeitet, was Du ihm den ganzen Tag vor die Füße wirfst.
Also los.
Schritt 1: Lass Deine Leber die Arbeit machen
Für unser Projekt brauchen wir zunächst den richtigen Zucker.
Und da ist Fructose besonders interessant.
Glukose kann schließlich von vielen Geweben Deines Körpers zu einfach genutzt werden.
Schade um die Kalorien.
Ein großer Teil der aufgenommenen Fructose landet zur ersten Verarbeitung dagegen in Deiner Leber.
Genau da wollen wir sie haben.
Und Fructose bringt noch einen weiteren Vorteil mit:
Bei ihrer Verarbeitung umgeht sie einen wichtigen Regulationsschritt des Glukosestoffwechsels.
Eine Stoffwechselbremse weniger, um die wir uns kümmern müssen.
So entstehen Zwischenprodukte, aus denen Deine Leber bei entsprechendem Energieüberschuss auch neue Fettsäuren herstellen kann.
Das nennt sich:
De-novo-Lipogenese.
Oder für unseren Do-it-yourself-Kurs:
Aus Zucker wird neues Fett.
Natürlich wird nicht einfach jede Fructose direkt in Fett verwandelt.
Das wäre ja fast zu schön, um wahr zu sein.
Aber wir können natürlich nachhelfen.
Viel Fructose. Viel Energie. Wenig Verbrauch. Regelmäßig Nachschub.
Dann schaffen wir genau die Bedingungen, unter denen die Fettproduktion in der Leber angekurbelt wird.
Jetzt wissen wir also, was wir brauchen.
Bleibt nur die Frage:
Wie bekommen wir möglichst viel davon möglichst bequem in unseren Körper?
Schritt 2: Trinke Deinen Zucker
Wenn Du Deine Leber möglichst effizient mit Fructose versorgen möchtest, solltest Du sie natürlich nicht in einen Apfel verpacken.
Ballaststoffe. Kauen. Sättigung.
Da kommt ja kaum was von an.
Viel praktischer sind Softdrinks, Säfte, Energy-Drinks und andere süße Getränke.
Smoothies sind eine günstige Alternative.
Flüssig lässt sich schließlich erstaunlich viel Zucker aufnehmen, ohne dass daraus eine besonders sättigende Mahlzeit wird.
Und das ist für unser Vorhaben ideal.
Denn wir wollen ja nicht satt werden.
Wir wollen stetigen Nachschub.
Schritt 3: Sorge dafür, dass mehr ankommt, als wieder verschwindet
Wir haben unseren bevorzugten Zucker.
Wir haben ein effizientes Liefersystem.
Jetzt brauchen wir Masse.
Perfekt wird es, wenn über längere Zeit mehr Energie und Substrat ankommen, als sinnvoll verarbeitet und abtransportiert werden können.
Das kannst Du zum Beispiel dadurch erreichen, dass Du während Deiner sitzenden Tätigkeit möglichst viele mit Zucker und Glucose-Fructose-Sirup gesüßte Getränke zu Dir nimmst, um Dir durch die Süße das Gefühl von Energie zu vermitteln.
Mehr Fettsäuren werden aufgebaut oder angeliefert.
Mehr Triglyceride entstehen.
Und irgendwann bleibt immer mehr davon in der Leber liegen.
Aus einem Organ, das Deinen Stoffwechsel organisiert, wird zunehmend ein Fettlager.
Genau das wollten wir erreichen.
Schritt 4: Wiederholen ist wichtiger als Perfektion
Für eine Fettleber musst Du Dich nicht jeden Tag perfekt ernähren.
Aber der einzelne Schokoriegel macht noch lange keine Fettleber.
Entscheidend ist Konsequenz.
Süße Getränke.
Viele stark verarbeitete Lebensmittel.
Süße Teilchen zwischendurch.
Viel verfügbare Energie.
Wenig Bewegung.
Und morgen wieder von vorn.
Besonders praktisch sind Lebensmittel, die gleichzeitig viel Zucker und Fett liefern.
Warum sollte Deine Leber schließlich die ganze Arbeit allein machen?
Ein bisschen fertiges Fett darfst Du ruhig mitliefern.
Und wenn zwischen Frühstück, Mittag- und Abendessen noch Platz ist, solltest Du diesen natürlich nutzen.
Nicht, dass Dein Stoffwechsel zwischendurch auf die Idee kommt, auf seine eigenen Energiereserven zurückzugreifen.
Schritt 5: Schütze Deine überschüssige Energie vor Deinen Muskeln
Jetzt musst Du aufpassen.
Unser schönes Projekt hat einen natürlichen Feind:
Deine Muskulatur.
Muskeln haben die unangenehme Eigenschaft, Energie zu verbrauchen.
Noch schlimmer:
Wenn Du sie regelmäßig benutzt, können sie Glukose aufnehmen und ihre Fähigkeit verbessern, Energie zu verwerten.
Das können wir absolut nicht gebrauchen.
Schließlich wollen wir die Energie in Deiner Leber lagern und nicht einfach verbrennen.
Also:
Auto statt Fahrrad.
Aufzug statt Treppe.
Schreibtisch statt Spaziergang.
Und nach acht Stunden Sitzen bitte nicht noch auf die Idee kommen, Sport zu treiben.
Sonst könnten Deine Muskeln anfangen, die ganze mühsam bereitgestellte Energie tatsächlich zu verbrauchen.
Das wäre ärgerlich.
Schritt 6: Jetzt noch ordentlich Stress dazu
Wenn Du Dein Stoffwechselsystem zusätzlich beschäftigen möchtest, darf chronischer Stress natürlich nicht fehlen.
Kaffee und Energy-Getränke sind zusätzlich zum Alltagsstress sehr zu empfehlen.
Nicht, dass Dein Nervensystem zwischendurch noch runterfährt und aus Versehen keine zusätzliche Energie durch Stresshormone mobilisiert wird.
Stresshormone sorgen schließlich unter anderem dafür, dass Energie mobilisiert und Glukose bereitgestellt wird.
Kurzfristig ist das egal.
Das bringt nur temporäre Energie für einen Notfall.
Du möchtest, dass Dein Körper ständig Energie bereitstellt, obwohl Du überwiegend am Schreibtisch sitzt.
Chronischer Stress, schlechter Schlaf, Bewegungsmangel und eine dauerhaft hohe Energiezufuhr können sich zu einem ziemlich günstigen Stoffwechselmilieu ergänzen.
Der Körper stellt Energie bereit.
Du verbrauchst sie nicht.
Und gleichzeitig kommt ständig neue dazu.
So kommen wir unserem Ziel langsam näher.
Schritt 7: Ignoriere die Warnzeichen – und miss bloß nichts
Einer der größten Vorteile unseres Projektes:
Deine Leber macht erstaunlich lange keinen großen Aufstand.
Eine Fettleber kann lange völlig unbemerkt bleiben.
Und wenn Du doch etwas bemerkst?
Müdigkeit.
Erschöpfung.
Weniger Leistungsfähigkeit.
Vielleicht ein Druck- oder Völlegefühl im rechten Oberbauch.
Alles wunderbar unspezifisch.
Du bist schließlich viel beschäftigt. Schläfst schlecht. Hast Stress.
Irgendwas ist ja immer.
Also am besten einfach ignorieren.
Und vor allem:
Nicht messen!
Denn dabei könnten Dinge auftauchen, die unser schönes Projekt unnötig früh verraten.
Leberwerte.
Triglyceride.
Nüchternglukose und HbA1c.
Und wenn jemand ganz genau hinschauen möchte, vielleicht auch noch Nüchterninsulin bzw. HOMA-IR als Hinweise auf eine Insulinresistenz (wieso das so gefährlich ist, kannst Du in meinem Artikel zur Insulinresistenz nachlesen).
Auch den Bauchumfang solltest Du besser nicht im Blick behalten.
Mit etwas Glück gehörst Du sogar zu den Menschen, die äußerlich schlank bleiben und trotzdem Fett in der Leber und um ihre Organe einlagern.
Dafür gibt es sogar einen schönen Namen:
TOFI – „Thin Outside, Fat Inside“.
Außen schlank. Innen Fett.
Perfekt für unser Projekt. Schließlich sieht dann nicht schon jeder Hobbyratschläger sofort, wie erfolgreich Du schon warst.
Noch schlimmer wäre natürlich ein Ultraschall der Leber.
Der könnte schließlich direkt zeigen, dass sich dort bereits Fett angesammelt hat.
Bei normalen Leberwerten kannst Du dagegen Glück haben.
Die können nämlich durchaus unauffällig bleiben, obwohl Deine Leber bereits Fett eingelagert hat.
Also bloß nicht weiter nachforschen.
Also lautet Schritt 7 unseres Do-it-yourself-Ratgebers:
Symptome ignorieren. Blutwerte meiden. Ultraschall vermeiden.
Dann kannst Du jahrelang weiterbauen, ohne dass Dir Deine Leber ständig dazwischenfunkt.
Und was ist jetzt mit Obst?
Wenn Du bis hierher gelesen hast und gerade Deine Äpfel entsorgen möchtest:
Kluger Schachzug.
Für unser Fettleberprojekt ist ein Apfel ziemlich ineffizient.
Du musst ihn kauen.
Er enthält Wasser und Ballaststoffe.
Er sättigt.
Und irgendwann hast Du keine Lust mehr auf Äpfel.
Versuche einmal, innerhalb weniger Minuten fünf oder sechs Äpfel zu essen.
Aber versuche es doch mal mit einem großen Glas Saft.
Gleicher Obstladen.
Völlig anderes Liefersystem.
Deshalb sollten wir Obst nicht einfach mit Fructose gleichsetzen.
Für unser Projekt brauchen wir schließlich Effizienz.
Glückwunsch – Deine Fettleber ist fertig
Wenn Du alle Schritte gewissenhaft befolgt hast, hast Du ziemlich gute Voraussetzungen geschaffen:
Viel leicht verfügbare Energie.
Regelmäßigen Nachschub.
Flüssigen Zucker.
Wenig Muskelarbeit.
Chronischen Stress.
Und möglichst wenige Gelegenheiten für Deinen Körper, die bereitgestellte Energie tatsächlich zu verbrauchen.
So wird aus einem Problem, das kompliziert klingt, plötzlich ein ziemlich einfacher Stoffwechselprozess für jeden.
Aber Vorsicht!
Deine Leber ist ausgesprochen regenerationsfähig.
Wenn Du die Bedingungen veränderst, unter denen sie jeden Tag arbeiten muss, könnte sich auch ihr Fettgehalt wieder deutlich reduzieren.
Weniger ständig verfügbare Energie.
Weniger flüssiger Zucker.
Mehr Bewegung.
Mehr aktive Muskulatur.
Besserer Schlaf.
Weniger chronischer Stress.
Das kann unser Do-it-yourself-Projekt leider ernsthaft gefährden.
Denn Dein Körper reagiert jeden Tag auf die Bedingungen, die Du ihm zur Verfügung stellst.
Du kannst die Bedingungen schaffen, unter denen Deine Leber verfettet.
Oder die, unter denen sie sich wieder erholen kann.
Ach, und übrigens:
Falls Dir eine Fettleber allein als Projekt nicht reicht:
Viel leicht verfügbare Energie. Wenig Bewegung. Wenig aktive Muskulatur. Chronischer Stress. Schlechter Schlaf. Insulinresistenz.
Unsere Anleitung funktioniert erstaunlich gut auch für ein anderes Projekt:
Diabetes Typ 2 – früher „Altersdiabetes“ genannt.
Mit dieser Anleitung kannst Du ihn Dir auch schon in jungen Jahren heranziehen.
Zwei Fliegen mit einer Klappe.
Also: gib nicht auf! 😉